Banken spielen und hoffen auf Zeit beim Basiskonto

Ein Konto gehört dazu, um am sozialen Leben teilnehmen zu können: Gehälter und Transferzahlungen werden auf Konten überwiesen, Kreditbeträge werden auf Konten überwiesen, Versicherungsbeiträge oder Mieten werden vom Konto abgebucht: Ein Konto ist nahezu zwingende Voraussetzung für ein normales Leben.

Viele Menschen haben jedoch kein Konto und haben auch keine Chance darauf, eines zu bekommen – sei es, weil sie wirtschaftlich in Not, arbeitslos, vielleicht sogar obdachlos sind oder aktuell als Flüchtling nach Deutschland gekommen sind.

Um allen Menschen eine Teilnahme am sozialen Leben zu ermöglichen, sollen Banken nun im Zuge eines Kontraktierungszwanges dazu verpflichtet werden, jedem Kunden ein Konto auf Guthabenbasis anzubieten. Das gilt zumindest in den meisten Bundesländern in Deutschland.

Das wiederum wollen die Banken nicht so ohne weiteres akzeptieren und argumentieren mit hohen Kosten und mit Risiken, die sich ergeben, wenn jedem ein Konto angeboten werden muss. Die Banken und die Bankenverbände spielen vor allem auf Zeit. Derzeit heißt es, dass man bis September Zeit braucht, um Kunden ein bedingungsloses Basiskonto anbieten zu können. Zudem wollen die Banken weiterhin Gründe anführen, um weiterhin Kunden ablehnen zu können. Ein – leicht konstruiertes – Beispiel der Lobbyisten: Man wolle nicht dazu verpflichtet werden, einem Bankräuber ein Konto eröffnen zu müssen.

Basiskonto wird durch die EU gefordert

Das Basiskonto wird durch die EU gefordert. In Deutschland wird bis zum Sommer ein Entwurf für ein Gesetz zur Umsetzung erwartet. Tritt das in Kraft, dann werden die Banken es auch umsetzen müssen. Bis es in Kraft ist, werden sie alles daran setzen, den Start zeitlich nach hinten zu verschieben, was auch nachvollziehbar ist: Das Basiskonto ist ohne Zweifel gesellschaftlich und volkswirtschaftlich sinnvoll – ob die Banken hierfür allerdings die Kosten tragen müssen, ist tatsächlich zu diskutieren.

Bedingungslose Basiskonten haben Banken derzeit kaum im Angebot. Viele Banken bieten aber Guthabenkonten an, die dem Angebot eines Basiskontos schon sehr ähneln – so gibt es zum Beispiel ein Guthabenkonto bei den Stadtsparkassen, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, jeder Privatperson unabhängig von Staatsangehörigkeit oder Nationalität und unabhängig von Einkommen oder Vermögen ein Konto anzubieten – das kommt dem Gedanken des Basiskontos schon sehr nahe. Wer ein Guthabenkonto online eröffnen möchte, ist bei der norisbank gut aufgehoben; auch die Postbank bietet mit dem Postbank Giro Basis ein Konto auf Guthabenbasis an. Vorsichtig sollte man bei Angeboten sein, bei denen das Basiskonto nicht kostenlos ist – hier wird oft versucht, aus der schwierigen Situation des Kontoinhabers noch Geld herauszuschlagen.

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